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Es war einmal eine wunderschöne Prinzessin, die lebte in einem alten
Schloss, das von einem geheimnisvollen Zauberwald umgeben war.
Als der 18. Geburtstag der Prinzessin nahte, beschloss der König,
seiner Tochter ein ganz besonderes Geschenk zu machen. Die Prinzessin
war natürlich sehr neugierig auf ihr Geburtstagsgeschenk, aber der
König hatte es zum Staatsgeheimnis erklärt.
Am Morgen ihres Geburtstags hielt es die Prinzessin vor lauter Neugierde
schon in aller Frühe nicht mehr im Bett, aber ihre Geduld wurde auf
eine harte Probe gestellt. Die Prinzessin war nämlich sehr beliebt,
sodass ihr der ganze Hofstaat gratulieren wollte, vom Hofmarschall bis
zum jüngsten Küchenjungen, und an den Hofstaat schlossen sich
die Bürger des Landes an und defilierten in endlosen Reihen am Schloss
vorbei.
Als die Gratulanten endlich gegangen waren, stand die Mittagssonne schon
hoch am Himmel und die Prinzessin zersprang fast vor Ungeduld. Da führte
der König seine Tochter endlich in den Schlosspark, um ihr sein Geschenk
zu übergeben.
Im Park stand ein junger Ritter in schimmernder Rüstung, der hielt
einen wunderschönen, grün-goldenen Drachen am Zügel. "Dies,
mein liebes Kind", so sprach der König feierlich, "ist
mein Geburtstagsgeschenk für dich, denn du bist nun alt genug, das
Drachenreiten zu erlernen." Da klatschte die Prinzessin voll Freude
in die Hände, hatte sie sich doch schon lange einen eigenen Drachen
gewünscht. "Ich will ihn Dragonus nennen", beschloss sie.
Aber als sie sich ihrem Drachen nähern wollte, begann der zu fauchen
und sein furchteinflössendes Gebiss zu entblößen. Erschrocken
wich die Prinzessin zurück. "Was hat das zu bedeuten, Vater?",
fragte sie, "mag Dragonus mich nicht?" "Dein Drache ist
noch jung", antwortete der König lächelnd, "du musst
ihn erst zähmen, bevor du ihn reiten kannst."
Jeden Tag nun ging die Prinzessin zu ihrem Drachen, damit er sich an sie
gewöhnen konnte. Aber der Drache lehnte jede Annäherung ab.
Die Prinzessin wurde deswegen immer trauriger. "Was soll ich nur
machen, lieber Vater?", klagte sie dem König ihr Leid. "Mein
Drachen mag mich einfach nicht." "Du musst dir eine List ausdenken,
um ihn zu zähmen", riet ihr der König. Und als die Prinzessin
das nächste Mal zu ihrem Drachen ging, stibitzte sie vorher den besten
Braten aus der Küche und bot ihn dem Drachen an. Aber als der Drachen
den Braten sah, fing er an zu lachen. "Du dummes Ding", spottete
er, "ich brauche deinen Braten nicht. Wusstest du denn nicht, dass
ich mich von meinem inneren Feuer nähre?" Nein, das hatte die
Prinzessin wirklich nicht gewusst, und sie ging traurig von dannen, um
sich ein neues Geschenk für ihren Drachen auszudenken. "Ich
werde ihm meine schönste Halskette schenken, dann wird er mich mögen",
sprach sie zu sich. Doch als sie das nächst Mal zu ihrem Drachen
ging, da lachte der sie wieder nur aus. "Du dummes Ding, was soll
ich denn mit deiner albernen Halskette?", höhnte er, "siehst
du denn nicht, dass meine grüngoldenenen Schuppen viel schöner
sind als alles Geschmeide der Welt?" Und wiederum ging die Prinzessin
traurig von dannen, denn nun wusste sie sich gar keinen Rat mehr.
So beschloss sie denn, den mächtigen Zauberer, der im Zauberwald
wohnte, aufzusuchen und um Rat zu fragen. Und am nächsten Tag machte
sie sich auf den Weg in den Zauberwald.
Die Prinzessin musste weit laufen, bis sie die Hütte des Zauberers
fand, aber endlich erreichte sie doch ihr Ziel.
"Was führt dich zu mir, Prinzessin?", fragte der Zauberer
freundlich. "Ach, lieber Zauberer, ich habe einen Drachen geschenkt
bekommen, aber er will und will sich nicht zähmen lassen", klagte
die Prinzessin und dann erzählte sie dem Zauberer, was sie schon
alles versucht hatte.
Als sie geendet hatte, lächelte der
Zauberer wissend. "So, du hast also versucht, deinen Drachen mit
Geschenken zu bestechen", meinte er dann, "hast du es denn auch
schon einmal mit Liebe probiert?" "Aber lieber Zauberer, wenn
ich ihm einen guten Braten und meine allerschönste Halskette schenken
will, dann muss er doch merken, dass ich ihn liebe", entgegnete die
Prinzessin erstaunt. "Oh nein, mein Kind", antwortete der Zauberer
da ernst, "Geschenke und Liebe sind nicht dasselbe. Allerdings meinen
die Menschen das oft." Die Prinzessin blickte den Zauberer nur ratlos
an und verstand kein Wort. "Wenn du deinen Drachen wirklich zähmen
willst, musst du ihm deine Liebe auf andere Art zeigen. Wenn du das nächste
Mal zu ihm gehst, dann schaue ihn nur ganz lieb an und stelle dir vor,
wie ihn ein rosafarbenes Licht umgibt. Und dann warte ab, was geschieht."
Die Prinzessin hatte zwar Zweifel, aber weil alle ihre Versuche fehlgeschlagen
waren, versprach sie dem Zauberer, seinen Rat zu beherzigen.
Wieder zu Hause angekommen, lief sie gleich zum Gehege ihres Drachens.
Wie erwartet, fauchte der sie böse an. Die Prinzessin ließ
sich aber nicht beirren. Sie blickte den Drachen voller Liebe an und stellte
sich vor, wie er ganz von einem rosafarbenen Licht eingehüllt wurde.
Wie lange sie so vor dem Drachen stand, vermochte sie nicht zu sagen,
aber der Drachen schien allmählich ruhiger und friedfertiger zu werden.
Und plötzlich ging er vor der Prinzessin in die Knie, so dass sie
auf seinen Rücken steigen konnte. Und der Drache erhob sich mit Prinzessin
in die Lüfte und ließ sich von ihr gehorsam lenken, wohin sie
wollte. Und von Stund an war der Drache Dragonus der Prinzessin treu ergeben
und diente ihr mit Leib und Leben.
Erschienen in: http://www.das-letzte-einhorn.at
Mehr Informationen zur Autorin
gibt es unter: http://www.das-schwarze-einhorn.homepage.t-online.de/
Inhaltsverzeichnis
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