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Brüder Grimm Ausgabe letzter Hand von 1857 | |||||
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Et was ene Frou mit ener Toachter in änen schöhnen Goarten mit Koal; dahin kam än Häsichen und froaß zo Wenterszit allen Koal. Da seit de Frou zur Toachter: "Gäh in den Goarten und jag's Häsichen." Seit's Mäken zum Häsichen: "Schu, schu! du Häsichen, frißt noch allen Koal." Seit's Häsichen: "Kumm, Mäken, sett dich uf min Haosenschwänzeken und kumm mit mer in min Haosenhüttchen." Mäken well nech. Am annern Tog kummt's Häsichen weder und frißt den Koal, do seit de Frou zur Toachter: "Gäh in den Goarten und jag's Häsichen." Seit's Mäken zum Häsichen: "Schu, schu! du Häsichen, frißt noch allen Koal." Seit's Häsichen: 'Kumm, Mäken, sett dich uf min Haosenschwänzeken und kumm mit mer in min Haosenhüttchen." Mäken well nech. Am dretten Tog kummt's Häsichen weder und frißt den Koal. Do seit de Frou zur Tochter: "Gäh in den Goarten und jag's Häsichen." Seit's Mäken: "Schu, schu! du Häsichen, frißt noch allen Koal." Seit's Häsichen: "Kumm, Mäken, sett dich uf min Haosenschwänzeken und kumm mit mer in min Haosenhüttchen." Mäken sätzt sich uf den Haosenschwänzeken, do bracht's Häsichen weit raus in sin Hüttchen und seit: "Nu koach Grinkoal und Hersche (Hirse), ick well de Hochtidlüd beten." Do kamen alle Hochtidlüd zusam'm. (Wer waren dann die Hochzeitsleute? Das kann ich dir sagen, wie mir's ein anderer erzählt hat: das waren alle Hasen, und die Krähe war als Pfarrer dabei, die Brautleute zu trauen, und der Fuchs als Küster, und der Altar war unterm Regenbogen.) Mäken aober was trurig, da se so alleene was. Kummt's Häsichen und seit: "Tu uf, tu uf, de Hochtidlüd senn fresch (frisch, lustig)." De Braut seit nischt und wint. Häsichen gäht fort, Häsichen kummt weder und seit: "Tu uf, tu uf, de Hochtidlüd senn hongrig." De Braut seit weder nischt und wint. Häsichen gäht fort, Häsichen kummt und seit: "Tu uf, tu uf, de Hochtidlüd waorten." Do seit de Braut nischt, und Häsichen gäht fort, aober se macht ene Puppen von Stroah met eren Kleedern und gibt er eenen Röhrleppel und set se an den Kessel med Hersche und gäht zor Motter. Häsichen kummt noch ämahl und seit: "Tu uf, tu uf", und macht uf und smet de Puppe an Kopp, daß er de Hube abfällt. Do set Häsichen, daß sine Braut nech es, und gäht fort und es trurig.
Häsichenbraut Hochdeutsche FassungEs war einmal eine Frau mit ihrer Tochter; die lebten in einem schönen Garten mit Kohl; dahin kam ein Häschen und frass zur Winterzeit allen Kohl. Da sagte die Frau zur Tochter: "Geh in den Garten und jag das Häschen." Sagt das Mädchen zum Häschen: "Schu, schu! Du Häschen, frißt noch allen Kohl." Sagt das Häschen: "Komm, Mädchen, und setz dich auf mein Hasenschwänzchen und komm mit in mein Hasenhüttchen!" Mädchen will nicht. Am andern Tag kommt das Häschen wieder und frißt den Kohl; da sagt die Frau zur Tochter: "Geh in den Garten und jag das Häschen." Sagt das Mädchen zum Häschen: "Schu, schu! Du Häschen, frißt noch allen Kohl." Sagt das Häschen: "Komm, Mädchen, setz dich auf mein Hasenschwänzchen und komm mit mir in mein Hasenhüttchen." Mädchen will nicht. Am dritten Tag kommt das Häschen wieder und frißt den Kohl. Da sagt die Frau zur Tochter: "Geh in den Garten und jag das Häschen!" Sagt das Mädchen: "Schu, schu! Du Häschen, frißt noch allen Kohl." Sagt das Häschen: "Komm, Mädchen, setz dich auf mein Hasenschwänzchen und komm mit mir in mein Hasenhüttchen!" Mädchen setzt sich auf das Hasenschwänzchen, da bracht es das Häschen weit hinaus in sein Hüttchen und sagt: "Nun koch Grünkohl und Hirse, ich will die Hochzeitsleute bitten." Da kamen alle Hochzeitsleute zusammen. (Wer waren dann die Hochzeitsleute? Das kann ich dir sagen, wie mir's ein anderer erzählt hat: das waren alles Hasen, und die Krähe war als Pfarrer dabei, die Brautleute zu trauen, und der Fuchs als Küster, und der Altar war unterm Regenbogen.) Mädchen aber war traurig, da sie so alleine war. Kommt das Häschen und sagt: "Mach auf, mach auf, die Hochzeitsleute sind lustig." Die Braut sagt nichts und weint. Häschen geht fort, Häschen kommt wieder und sagt: "Mach auf, mach auf, die Hochzeitsleute sind hungrig." Die Braut sagt wieder nichts und weint. Häschen geht fort; Häschen kommt wieder und sagt: "Mach auf, mach auf, die Hochzeitsleute warten." Da sagt die Braut nichts und Häschen geht fort; aber sie macht eine Puppe aus Stroh mit ihren Kleidern, und gibt ihr einen Rührlöffel, und setzt sie an den Kessel mit Hirse, und geht zur Mutter. Häschen kommt noch einmal und sagt: "Mach auf, mach auf", und macht auf und wirft der Puppe was an den Kopf, daß ihr die Haube abfällt. Da sieht Häschen, daß es seine Braut nicht ist, und geht fort und ist traurig.
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