|
Ludwig BechsteinAusgabe letzter Hand von 1857 |
||||
|
In der Hölle war einmal
ein großes Wunder, daß nur lauter Männer und keine Weiber
in die Hölle kämen und von Herzen hätten sie doch auch
gerne Weiber darinne gehabt. Da warf sich ein ganz junger Teufel auf und
sprach: "Was gilt's, ich schaffe eine her!" Die andern Teufel
freuen sich zwar, aber sie glauben dem, was jener spricht, doch nicht
recht. Der Teufel fährt sofort ab und die andern wünschen ihm
großes Glück. Er kömmt also auf die Erde, und trifft eine
junge Dirne; zu dieser spricht er: "He, Jungfer! hat sie nicht Lust
zu heiraten?" "Warum nicht", sagte sie. "Meinetwegen
kann morgen die Hochzeit sein." "Mir schon recht", sagt
der Teufel. Wie's also morgen war, geht er zum Pfarrer und läßt
sich die Dirne zur Frau geben. Eh aber der Küßmond vorüber,
verlangt die junge Frau Geld, Kleider und das aber schöne, und der
Teufel kann kaum das Brot verdienen, muß oft über seinem Maul
sparen und es seiner Frau lassen und dadurch wird er dürr und mager
und ist lange nicht mehr so gutes Mutes als zuvor. Die Frau hatte sich
mehr von diesem Galan versprochen - viel Geld und schöne Kleider.
Sie fängt daher an und wird kalt gegen ihren Teufel. Er gibt gute
Worte; er brummt. Sie zankt aber arg und drohet ihm mit Schlägen.
Das lächert dem Teufel und er denkt: ich werde dich doch zwingen
können. Zankt er aber ein Wort, so zankt sie zehne, und das geht
ein und alle Tage so fort. Was geschieht? Der Teufel bekommt zuletzt derbe
Schläge. Da denkt der Teufel: "Ei, was sollst du dich mit der
Frau plagen? Gehe doch hübsch heim", und da ging er heim. Wie
er in die Hölle kömmt und bringt kein Weib mit, da lachen ihn
die Teufel tüchtig aus, und überall rufen sie: "Dummer
Teufel! dummer Teufel!" Er aber antwortet: "Ich will keine wieder
und wenn ich die ganze Hölle geschenkt kriegte. Seid froh, daß
ich sie nicht mitgebracht habe, die hätte uns allen die Hölle
erst recht heiß gemacht!" Da spricht ein andrer etwas älterer
Teufel: "Nun will ich fort, ich will schon eine herschaffen!"
Er reiset ebenfalls ab, kömmt auf einen Erbsenacker, dort trifft
er eine alte Jungfer. Da denkt er: "Warte, diese ist nicht so ein
junger Lecker, die willst du nehmen." Er spricht also zu ihr: "He
da, Jungfer! Hat sie nicht Lust zu heiraten?" "O ja! wenn er
Geld und Brot für mich hat?" "O ja!" spricht der Teufel.
Als nun die beiden Hochzeit gemacht hatten, da merkte es die Frau, daß
der Teufel gelogen hatte, denn er war ein armer blutarmer Teufel und hatte
nichts und konnte nichts. Das kam ihm heim, denn er war an einen Geizdrachen
geraten, der sparte das Salz an den Kartoffeln, und tat sonntags einen
Knopf in den Klingelbeutel statt des Hellers. Die gibt dem Teufel zu tun
genug und zu beißen wenig, aber Schelte konnte er haben so viel
er wollte, und Streiche waren auch nicht rar. Und wenn ihm vor Hunger
gleich der Bauch grimmt, und ihm die Zunge ellenlang zum Halse heraus
hängt, so erbarmt sie sich seiner doch nicht. Will der Teufel etwas
essen, so muß er fort und muß Kartoffeln stopfeln. Kömmt
er abends und hat kein großes Säckchen voll, so kriegt er auch
noch Schläge, und das geht so einen und alle Tage. Endlich wird das
der arme Teufel doch müde und spricht zu sich: "Ei was, sollst
du dich mit der Frau plagen? Ich gehe fort, das ist ja ein bitterböses
Tier!" Er geht und kömmt in die Hölle zurück. Hier
wird er gleich gefragt, wo er seine Frau habe? "Ja, Frau! Hat sich
was! Ich will keine! Ich will in meinem Leben an die, die ich droben hatte,
gedenken! Die nimmt man auch noch mit in die Hölle! Bin froh, daß
ich sie wieder los bin." Da hieß es nun überall: "Dummer
Teufel! Dummer Teufel!"
Der Teufel denkt: "Ach,
wenn das Ding so klingt, so gehst du lieber wieder heim. Wäre ich
doch vom Anfang an zu Hause geblieben!" Er sinnt auf Rache gegen
die Weiber und spricht: "He! Bruder! du bist auch arm, ich will dich
reich machen, du mußt mir aber folgen." Der Köhler spricht:
"O ja, reich wäre ich gerne und ich will tun, was du nur haben
willst." Da spricht der Teufel: "Höre, Bruder Köhler,
ich weiß einen König, der hat drei Prinzessinnen, da will ich
in die eine fahren und du sollst der Doktor sein. Wenn ich in die Prinzessin
gefahren bin, so wird der König einen Aufruf ergehen lassen nach
einem Doktor, der Knall und Fall austreiben kann. Da gehst du nun hin
zu diesem König und sprichst: 'Herr König, ich will der Prinzessin
helfen, aber ich muß mit ihr in einer Stube ganz allein sein, versteht
sich in allen Ehren.' Wenn du dann bei der Prinzessin eingelassen wirst,
so sprichst du zu mir: 'Donner und Teufel, fahr aus!' - öffnest ein
Fenster und ich hebe mich von dannen. Das darfst du aber nur zweimal tun,
wenn du es dreimal tust, muß ich dir den Hals brechen!" Der
Köhler fragte: "Auch wenn ich dir eine schöne gute Frau
zeige?" Darauf erwiderte der Teufel: "Wir wollen sehen."
Er dachte aber, das kann ich ihm gern versprechen, damit hat es keine
Not. Wir Teufel kennen die Frauen. An einem Abende kam der Köhler
aus dem Walde, da sagte ihm seine Frau: "Du Mann, der reiche König
hat ausgeschrieben, daß seine Prinzessin totsterbenskrank ist, ja
sehr krank; wer ihr hilft, der soll das halbe Königreich von ihm
bekommen oder so viel Gold, als wie der Doktor und der König beide
schwer sind. Wenn du nur, Alter, ein gutes Hausmittel wüßtest
und könntest der Prinzessin helfen, daß wir auch einmal aus
unsrer Armut kämen!" Hierauf sagte der Köhler zu seiner
Frau: "Ich will einmal eine Probe machen, vielleicht bin ich glücklich",
und reisete ab. Als er zum König kam, so fragte dieser: "Alter,
getrauest du dir meine Prinzessin gesund zu machen?" "O ja,
Herr König!" antwortete der Köhler. "Ich muß
erst etliche Species aus der Apotheke haben und die muß ich selber
holen und dann muß ich ganz allein bei der Prinzessin sein."
Darauf sprach der König: "Alter! Wie du es verlangst, so soll
es geschehen. Machst du meine Prinzessin gesund, so bekommst du mein halbes
Königreich oder so viel Gold, als ich und du schwer sind." Der
Köhler tat nun, wie ihm der Teufel anbefohlen hatte, und die schöne
Prinzessin war auf der Stelle gesund. Der König stellte dem Köhler
die Wahl frei: Gold oder Land, und der Köhler nahm das Gold.
Da fuhr der Teufel zwar aus,
rief aber dem Köhler zu: "Spitzbube, hältst du so dein
Wort! Warte, nun breche ich dir den Hals!" Der Köhler aber verantwortete
sich und sagte; "Halt! Unser Pakt hat einen Vorbehalt; du darfst
mir nichts tun, wenn ich dir eine schöne gute Frau zeige. Da sieh
dich nur um, sieh dir diese an." Da sah sich der Teufel um und sah
eine nach der andern an und erkannte wohl, daß er über diese
keine Macht habe. Und da schämte er sich auf der Erde zu bleiben
und fürchtete sich auch vor seinem Drachen, und so machte er ein
Geprassel und einen Gestank und zog ab wie er gekommen war.
|
||||