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Ludwig BechsteinAusgabe letzter Hand von 1857 |
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"Es war einmal ein Mann,
dem taten die Mäuse in seiner Speisekammer vielen Schaden, da nahm
er eine Katze an, damit sie die Mäuse vertreibe und vertilge. Nun
war unter den Mäusen eine recht große, und war auch stärker
wie die andern, und wie sie wahrnahm, was geschehen war, da suchte sie
eine Gelegenheit, wo sie von einem sichern Ort aus mit der Katze sprechen
konnte, und sagte zu dieser: 'Ich weiß, daß dein Herr dich
bestellt hat, mich und meine Freunde zu vertreiben und zu töten.
Nun freut es mich, deine Bekanntschaft zu machen, und ich möchte
mich deiner Gunst empfehlen und guten Frieden mit dir halten.' Sprach
die Katze: 'Es freut mich ausnehmend, dich kennen zu lernen, und es wird
mir äußerst schätzbar sein, wenn du mich mit deiner Freundschaft
beehren willst. Auch wäre dein Umgang mir der erwünschteste,
allein ich darf dir nichts versprechen, was ich dir nicht zu halten vermag.
Siehe, verehrteste Maus, mein Herr hat mich zum Bewahrer seines Hauses
gesetzt, daß du und deine Sippschaft ihm nicht länger Schaden
zufügst, schonte ich nun deiner, so würde es heißen: das
ist eine schlechte Katze! Darum meide entweder, meinen Herrn zu schaden,
oder meide das Haus, und suche dir einen andern dir genehmen Aufenthalt,
außerdem gib mir keine Schuld, wenn du Schaden hast.' Die Maus sprach:
'Ich habe dich höflich gebeten, und so bitte ich nur noch, verzeihe
mir meine Freiheit, und schenke mir deine Freundschaft.' - 'Ja', sprach
die Katze, 'du bist mir lieb und wert, wie soll ich aber die Freundschaft
zu dir vereinigen mit meiner Pflicht bei dem Schaden, den deine Gesellen
meinem Herrn zufügen? Lasse ich euch leben, so tötet er mich,
das ist billig. Darum, so gewähre ich dir drei Tage Frist, in welcher
Zeit du dich nach einer andern Wohnung umtun magst.' - Die Maus erwiderte:
'Sehr schwer und ungern trenne ich mich von dieser Wohnung; ich werde
mich hüten, dir zu nahe zu kommen, und hier bleiben, so lange es
mir gefällt.' Die Katze schonte die Maus, ihrem Wort getreu, drei
Tage lang, da wurde diese ganz sicher, und tat nun gar nicht mehr, als
sei eine Katze im Hause vorhanden; als die drei Tage herum waren, und
die Maus wieder ganz unbesorgt aus ihrem Löchlein lief, da lag die
Katze im Winkel der Speisekammer und lauerte, sprang zu und fing und fraß
die Maus mit Haut und Haaren."
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