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Ludwig BechsteinAusgabe letzter Hand von 1857 |
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Es war einmal ein König,
der erbaute ein prachtvolles Münster zur Ehre und zum Lobe Gottes
und durfte niemand zu diesem Bau einen Heller beisteuern, nach des Königs
ausdrücklichem Gebot, sondern er wollte es ganz aus dem eignen Schatz
erbauen. Und so geschah es auch und das Münster war vollendet, schön
und würdig, mit aller Pracht und aller Zier. Und da ließ der
König eine große marmorne Tafel zurichten, in diese ließ
er mit goldnen Buchstaben eine Schrift graben, daß er, der König,
allein den Dom erbaut habe, und niemand habe dazu beigesteuert. Aber als
die Tafel einen Tag und eine Nacht lang aufgerichtet war, so war in der
Nacht die Schrift verändert, und statt des Königs Namen stand
ein anderer Name darauf, und zwar der Name einer armen Frau, so daß
es nun lautete, als habe sie das ganze prächtige Münster erbaut.
Das verdroß den König mächtig; er ließ den Namen
austilgen, und den seinigen wieder einschreiben. Aber über Nacht
stand wieder der Name jener armen Frau auf der Tafel, und jedermann las,
daß sie des Münsters Stifterin sei. Und zum dritten Male ward
des Königs Name auf die Tafel geschrieben, und zum dritten Male verschwand
er, und jener kam zum Vorschein. Da merkte der König, daß hier
Gottes Finger schreibe, demütigte sich, und ließ nach der Frau
forschen und sie vor seinen Thron heischen. Voll Angst und erschrocken
trat sie vor den König, der sprach zu ihr: »Frau, es geben
sich wunderliche Dinge, sage mir bei Gott und deinem Leben die Wahrheit!
Hast du mein Gebot nicht vernommen, daß niemand zu dem Münster
geben solle? Oder hast du doch dazu gegeben?«
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