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Ludwig BechsteinAusgabe letzter Hand von 1857 |
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Es war einmal eine arme Frau,
die in den Wald ging, um Holz zu lesen. Als sie mit ihrer Bürde auf
dem Rückwege war, sah sie ein krankes Kätzchen hinter einem
Zaun liegen, das kläglich schrie. Die arme Frau nahm es mitleidig
in ihre Schürze und trug es nach Hause zu. Auf dem Wege kamen ihre
beiden Kinder ihr entgegen und wie sie sahen, daß die Mutter etwas
trug, fragten sie: "Mutter, was trägst du?" und wollten
gleich das Kätzchen haben; aber die mitleidige Frau gab den Kindern
das Kätzchen nicht, aus Sorge, sie möchten es quälen, sondern
sie legte es zu Hause auf alte weiche Kleider und gab ihm Milch zu trinken.
Als das Kätzchen sich gelabt hatte und wieder gesund war, war es
mit einem Male fort und verschwunden. Nach einiger Zeit ging die arme
Frau wieder in den Wald, und als sie mit ihrer Bürde Holz auf dem
Rückwege wieder an die Stelle kam, wo das kranke Kätzchen gelegen
hatte, da stand eine ganz vornehme Dame dort, winkte die arme Frau zu
sich und warf ihr fünf Stricknadeln in die Schürze. Die Frau
wußte nicht recht, was sie denken sollte, und dünkte diese
absonderliche Gabe ihr gar zu gering; doch nahm sie die fünf Stricknadeln
des Abends auf den Tisch. Aber als die Frau des andern Morgens ihr Lager
verließ, da lag ein Paar neue fertig gestrickte Strümpfe auf
dem Tisch. Das wunderte die arme Frau über alle Maßen und am
nächsten Abend legte sie die Nadeln wieder auf den Tisch, und am
Morgen darauf lagen neue Strümpfe da. Jetzt merkte sie, daß
zum Lohn ihres Mitleids mit dem kranken Kätzchen ihr diese fleißigen
Naden beschert waren, und ließ dieselben nun jede Nacht stricken,
bis sie und die Kinder genug hatten. Dann verkaufte sie auch Strümpfe
und hatte genug bis an ihr seliges Ende.
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