| |
|
Es war einmal ein Bursch von
stämmigen Bau, der schaute trutziglich in die Welt, und hatte Mut,
mit aller Welt anzubinden, ging dieserhalb unter die Soldaten und schlug
sich wacker und tapfer mit dem Feind herum, bis man Frieden machte, und
den Soldaten ihren Abschied gab, daß sie hingehen konnten, woher
sie gekommen waren, oder wohin sie sonst wollten. Da dachte Rupert: "Ich
will zu meinen Brüdern gehen" - denn Eltern hatte er nicht mehr
- und wollte bei ihnen bleiben, bis wieder Krieg wäre. Die Brüder
aber sagten: "So einer fehlte uns eben, der auf den Krieg wartet
- ei warte du! Wir wollen nichts wissen von Krieg und von Kriegern, wir
wollen Ruhe haben! Hast du dich im Kriege durchgeschlagen, so schlage
dich auch im Frieden durch; vor der Türe ist dein, daß du es
weißt!" Da gab der Soldat Rupert seinen Brüdern kein einziges
gutes Wort, nahm seinen Schießprügel und ging wieder fort in
die Welt - und kam in einen großen Wald und sprach zu sich: Es ist
schändlich, einen tapfern Burschen und Kriegsmann so fort zu schicken
mitten in den Frieden hinein, mit dem unser einer doch auf der Gotteswelt
nichts anzufangen weiß. Ich muß Krieg haben! Wenn nur einer
käme, mit dem ich anbinden könnte, und wenn's der Teufel selber
wär! Und wie Rupert das dachte, lud er sein Gewehr, und tat einen
starken Schuß hinein mit doppelter Ladung und auch zwei Kugeln.
Da kam ein großer Mann durch den Wald auf Rupert zu, hatte einen
schwarzen Schlapphut auf, mit roter Hahnenfeder darauf, eine krumme Habichtnase,
einen fuchsfeuerroten Bart, und einen grünen Jägerrock an, und
fragte: "Wo hinaus, Gesell?" "Was habt Ihr danach zu fragen?"
fragte Rupert grob zurück, weil er gern anbinden wollte mit dem ersten
besten, oder auch mit dem ersten schlimmsten. "Hoho! Nur nicht so
patzig!", rief der Grüne mit dem Schlapphut und der roten Hahnenfeder.
"Fehlt dir was, so kann ich helfen!" "Mir fehlt es bloß
am besten, am Geld!" antwortete Rupert. "Solltest Geld die Fülle
haben, wenn du Mut hättest!" "Mut? Sappernunditjö!
Herr, wer sagt Ihm, daß ich keinen Mut habe? Ich ein Soldat, und
keinen Mut? Mut wie der Teufel!" "Schau um dich!" sprach
der Grüne, und da schaute Rupert um, da stand ein Bär hinter
ihm, schier so groß wie ein Nashorn, und sperrte den Rachen auf
und brüllte, und kam auf den Hinterbeinen gehend, auf Rupert zu -
der aber nahm sein Gewehr, legte an, und sagte: "Willst du eine Prise
Schnupftabak? Da hast du eine Prise!" - und schoß dem Bär
die doppelte Ladung in seine Nase hinein, in jedes Loch eine Kugel, die
bis ins Hirn drang - und da tat der Bär einen mächtigen Satz
und einen lauten Brüll, fiel um und war hin. "Schau, schau,
Mut hast du, wie ich merke!" sagte der Grüne im Schlapphut mit
der roten Hahnenfeder, "und so sollst du auch Geld von mir haben,
so viel du nur willst, doch unter einer Bedingung!"
"Die möcht ich hören!" sprach Rupert, der längst
gemerkt hatte, mit wem er's zu tun, denn zu dem einen Stiefel hatte der
Schuster, wie es schien, ein absonderliches Maß genommen, gerade
als wenn er einem Pferde einen Stiefel gemacht. "Soll's etwa die
Seligkeit sein - so dank ich schönstens!" fuhr Rupert fort.
"Dummer Kerl!" entgegnete der Waldjäger: "was habe
ich von deiner Seligkeit? Die kannst du für dich behalten, an der
liegt mir gar nichts. Nein, das ist meine Bedingung, daß du in den
nächsten sieben Jahren dich nicht wäschst, nicht kämmst,
dir nicht den Bart scherst, die Nägel nicht schneidest, in keinem
Bette schläfst, und kein Vaterunser betest, was ohnehin nicht deines
Kriegshandwerks Sache ist. Dafür gebe ich dir Rock und Mantel, die
du aber auch einzig und allein in diesen sieben Jahren tragen mußt.
Stirbst du innerhalb dieser Zeit, so bist du mein; bleibst du am Leben,
so habe ich kein Teil an dir, du aber hast Geld nach wie vor, und kannst
damit anfangen, was du willst, und ich putze dich wieder sauber, und sollt
es mit meiner Zunge sein." -
"So - und das alles nennst du eine Bedingung?" fragte Rupert.
"Mich dünkt, es wären ihrer schier ein Dutzend, doch, es
sei darum, ich will es probieren, probiert geht über studiert!"
"Topp!" sagte der Teufel und zog den grünen Rock aus und
zog auch sehr geschwind dem toten Bären das Fell ab, und fuhr fort:
"Hier ist dein Rock, hier ist dein Mantel und deine Bettdecke. In
die Rocktasche brauchst du nur zu greifen, so findest du Geld, und die
Bärenhaut, mit der deckst du dich, du Bärenhäuter du; das
ist der schönste Faulpelz, den einer sich nur wünschen kann,
der die Taschen voll Geld hat, und daher nicht nötig, etwas zu tun?"
Als Rupert den grünen Rock angezogen hatte, griff er vor allen Dingen
in die Tasche, um zu sehen, ob es auch wahr sei mit dem Gelde, denn er
traute dem Teufel nicht, dieweil dieser ein Vater der Lügen genannt
wird. Da aber die Tasche sich als ein nimmerleerer Fortunatussäckel
erwies, so hing Rupert seine Bärenhaut um, und ging ohne Adieu vom
Teufel hinweg, denn dieser war indes verschwunden.
Rupert lebte nun in den Tag hinein, ließ den lieben Gott einen guten
Mann sein und den Teufel auch einen guten Mann, ließ seinen Bart
stattlich wachsen, daß er ganz wahlfähig in irgendeinem deutschen
oder polnischen Reichstag erschien, denn die Kraft steckt im Haar, das
lehrt bereits die Geschichte Simsons, und brachte es dahin, daß
er schon im zweiten Jahre aussah, wie ein Schubut und Waldschrat, zumal
auch seine Fingernägel außerordentlich aristokratisch-vornehm
noch über das chinesische Maß hinaus gewachsen waren. Die Leute
wichen ihm aus, wenn sie ihn von weitem sahen oder rochen, denn obwohl
er keinen Tabak rauchte, so roch er doch schon von weitem viel ärger
als ein Wiedehopf, der überhaupt mit Unrecht als Stinkhahn verschrieen
ist, denn der Wiedehopf selbst stinkt gar nicht, nur seine Unreinlichkeit
und das, womit er umgeht, bringen ihn in so schlimmen Ruf.
Nun gab aber der Bärenhäuter den Armen immer viel Geld, damit
sie beten sollten, daß er die sieben Jahre überdaure, und die
Armen nahmen gern das Geld und versprachen recht fleißig zu beten.
Ob sie's getan haben, weiß ich nicht, und die Wirte nahmen ihn auch
gern auf, da er viel aufgehen ließ, und überhaupt steht baumfest,
daß wenn einer nur Geld hat und es aufgehen läßt, da
darf er ungescheut der ärgste Bärenhäuter sein, er findet
stets Anhang und Anklang und Anerkennung, aber Geld gehört ein für
allemal dazu.
Nun ging die Bärenhäuterei schon in das vierte Jahr, und der
Bärenhäuter hatte sie satt, denn er gefiel sich selbst nicht
mehr, geschweige andern; im Gesicht schleppte er einen sehr belebten Urwald
von Haarmoos herum, an den Fingern waren ihm Mistgabeln gewachsen, und
sonderlichen Spaß hatte er auch nicht, trotz allen Geldes. In den
Wirtshäusern gab man ihm stets die hintersten und höchsten Zimmer,
drei, vier, fünf Treppen hoch und immer nahe bei den Retiraden. Einst
saß er nun so ganz verdrießlich in seinem Zimmerchen, sann
über sein Schicksal nach, und wünschte sehnlichst seine Zeit
herum, wo er einen neuen Menschen an- und den Schweinigelsbart samt den
Galgennägeln an den Fingern ablegen wollte, da hörte er nebenan
jemand ächzen und krächzen zum Steinerbarmen. Gleich ging er
hinüber, dem Nachbar beizustehen, denn der Bärenhäuter
hatte von Natur ein mildes und gutes Herz. Da saß ein wehklagender
und jammernder alter Mann, der dachte, als der Bärenhäuter kam,
der Böse sei es, und wolle ihn holen, denn der Bärenhäuter
sah dem Teufel viel ähnlicher, als sonst einem Geschöpf Gottes,
doch ließ er sich endlich besänftigen und bewegen, seine Not
zu klagen. Diese Not war nun gerade dieselbe, die des Bärenhäuters
Not auch gewesen war, nämlich die bekannte Geldnot. Der gute Alte
hatte drei Töchter und viele Schulden, und sollte eben ein sehr eingezogenes
Leben führen, weil er den Wirt, der ihn ausgezogen hatte, nicht bezahlen
konnte. Der Bärenhäuter lachte darüber; der freilich hatte
gut lachen, wie jeder, dem ein Goldborn in der Tasche quillt. Er bezahlte
des alten Mannes Schulden bei Heller und Pfennig, und dieser lud ihn ein,
mit ihm zu gehen und seine Töchter zu sehen, die nicht wenig schön
seien, und eine davon solle ihn aus Dankbarkeit heiraten. Das war dem
Bärenhäuter recht, denn er hatte viele Zeit übrig, und
ward ihm die Zeit oft lang auf seiner Bärenhaut, und ging auf Eroberungen
aus, wie ein tapfrer Soldat immer tun soll, nur war es schade, daß
er sich nicht nett und niedlich machen durfte, kein Stutz- und Spitzbärtchen,
schwarz gewichst, und keine frisierten Löckchen und schlanke Flanken
und glatte Nägel und kein kölnisches Wasser und keine Havannah-Cigarre
erster Sorte. Das alles durfte er nicht, sondern mußte ganz Bärenhäuter
bleiben, und hingehen und Sturm laufen wie er leibte und lebte, war, stand,
ging und roch. Die beiden ältesten Töchter des geretteten Mannes
entsetzten sich vor dem Ungetüm, das die Perücke mit unterschiedlichen
Zöpfen übers Gesicht trug, statt auf dem Hinterkopf, das Patschhändchen
gab wie der Vogel Greif, und das seine Wäsche bereits vier Jahr trug,
davon selbige ganz isabellfarbig geworden war, und roch, wie ein altes
leeres Essigfaß im Kellergewölbe, nichts weniger als appetitlich.
Nur die jüngste Tochter, und zugleich die schönste, hielt Stand,
indem sie nicht davonlief. Sie behielt im Auge, daß dieser Bärenhäuter
ihren Vater gerettet hatte und dadurch sie selbst mit von Schimpf und
Schande; sie besaß die schöne Tugend der Dankbarkeit, die so
viele nicht besitzen. Da nun der Bärenhäuter wahrnahm, daß
dieses schöne Kind nicht vor seiner häßlichen und abschreckenden
Gestalt zurückbebte, ja daß es des Vaters Wort bei ihm erfüllen
wollte - so bot er ihr einen schönen Ring, doch nur zur Hälfte
- als Wahrzeichen, daß er sich mit ihr verlobe, und bat sie, recht
fleißig für ihn zu beten, daß er noch drei Jahre und
womöglich auch etwas darüber, am Leben bliebe, und nahm auf
drei Jahre Abschied, um sich in dieser Zeit zu entbärenhäutern
und nach deren Ablauf als ein wohlgelecktes Herrchen wieder zu kommen.
Dies Kunststück kann auch nicht jeder machen; mancher geht als leidlich
guter und zahmer Junge vom Elternhause fort, und kommt waldteufelähnlich
zurück als der größte Bärenhäuter, den es nur
geben kann. Die junge Schönste und schönste Junge, die sich
dem Bärenhäuter verlobt hatte, kleidete sich schwarz und hatte
von ihren Schwestern ob ihres zotteligen Bräutigams gar viel auszustehen.
Diese spöttelten, bald die eine, bald die andre: "Gib acht,
wenn du ihm die Hand reichst, daß er sie dir nicht abbeißt,
denn er hat dich freßlieb!" "Nimm dich in Acht, mein süßes
Kind, daß er dich nicht aufleckt, Bären lieben den Honig!"
"Tue ihm ja allen Willen, sonst brummt er, dein zukünftiger
Zottelbär!" "Ei, was wird das für eine lustige Hochzeit
werden, wenn erst der Bärentanz losgeht!" Doch die junge Braut
schwieg zu allem still und ließ ihre älteren Schwestern spötteln
und witzeln, so viel sie wollten, unterdessen setzte ihr Verlobter sein
Leben fort, doch ohne des Guten und Schlimmen zu viel zu tun, lebte sich
glücklich durch das letzte der sieben Jahre hindurch, und suchte
am letzten Tage das Plätzchen wieder auf, wo ihm vor sieben Jahren
der Teufel erschienen war. Dieser erschien auch richtig wieder, doch mit
einiger Verstimmung, denn er merkte, daß der Bärenhäuter
der Bärenhäuterei längst überdrüssig war, und
mit ihm brechen wollte, wollte daher das Geschäft klug machen, und
die Röcke wieder umtauschen, aber der Bärenhäuter sagte:
"So geschwind geht es nicht, erst leckst du mich und putzest mich
rein, wie du zugesagt, damit ich wieder einem hübschen Menschen gleich
sehe, und nicht einem Waldschrat oder dir, du unsaubrer Geist!" Da
mußte der Teufel den Bärenhäuter hübsch renovieren,
ihm die Haare kämmen mit seinen Fingern, und mit seiner Zunge, die
wie ein Reibeisen kratzte, ihm die Haut rein ablecken, ihm auch die Nägel
schneiden, und mußte ihn waschen, und wieder ganz schön machen.
Das kam ihm sauer an, und war ein schwer Stück Arbeit, denn man hat
gesehen in der Welt, was das mit einjährigen Bärenhäutern
schon für eine Hauptmühe kostet, geschweige nun, wenn einer
sieben Jahre in der Bärenhäuterei verharrte. Dann bekam der
Teufel von dem weiland Bärenhäuter, nunmehrigen Herrn Rupert,
einen rechten Tritt zum Valet, und der letztere kleidete sich sehr schön,
und reiste mit Extrapost und Dampf nach dem Wohnort seiner Verlobten,
wo ihn aber niemand kannte. Er gebärdete sich als ein reicher Freier,
und ließ verlauten, daß er eine der drei Schönen heiraten
wolle, davon eine bereits seine Verlobte war. Diese eine hatte gar keine
Acht auf ihn, aber ihre Schwestern die hätten ihn gar zu gern gemocht,
und putzten sich wie die Pfauen, und zankten sich, welche ihn nehmen sollte.
Rupert aber erbat von seiner Braut einen Becher Weines, trank, und bat
sie, ihm Bescheid zu tun; wie sie das tat, erblickte sie die Hälfte
ihres Verlobungsringes in dem Becher, und war ganz hin vor Erstaunen und
süßer Freude. Er aber umfing sie und küßte sie;
da kamen ihre Schwestern geputzt und furchtbar aufgedonnert dazu, und
wurden grün und gelb im Gesicht aus Neid und Ärger über
ihrer Schwester Glück - und rannten davon. Eine stürzte sich
voll Groll und Grimm in den Ziehbrunnen, die andre henkte sich voll Gift
und Galle auf dem Boden auf, und da war auch gleich der Teufel bei der
Hand, fing beider Seelen auf und sagte: "Eine Seele mußt ich
haben - und nun habe ich zwei. Wünsche Glück zur Hochzeit!"
Damit fuhr er ab, und Rupert heiratete nach der Austrauer seine liebholde
schönste Jüngste und ist niemals mehr wieder ein Bärenhäuter
geworden.
Inhaltsverzeichnis
|
|
|