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Hans Christian Andersen

   

Hans Christian Andersen, Gemälde von Constantin Hansen (1836)

 

Ein Leben wie ein Märchen


Hans Christian Andersen (1805-1875) ist bis heute der wohl berühmteste dänische Schriftsteller und der Nationaldichter der Dänen. Weltruhm erreichte er mit seinen zahlreichen Kunstmärchen, die dem armen Schuhmachersohn schon zu Lebzeiten einen glanzvollen Aufstieg verschafften. Er war stolz darauf, dass Fürsten seine Freunde waren und schrieb einmal über seinen Besuch bei König Maximilian II.: "...mir selbst kommt es wie ein Kapitel in einem Märchen vor, dass ich, der arme Schuhmachersohn an der Seite eines Königs über die Berge hinweggflog.“ http://www.um.dk/Publikationer/UM/Deutsch/HansChristianAndersen/hca.pdf

Aus dem hässlichen Entlein war ein stolzer Schwan geworden. Seine Märchen erzählen viel aus seinem eigenen Leben. Während seine Autobiografien, mit denen er sich früh beschäftigte, sich nicht immer an die Realität hielten. Dass seine Mutter vor ihrer Heirat mit Andersens Vater das schwere Los einer ledigen Mutter hatte und als Trinkerin starb, davon erwähnt Andersen nichts. In Deutschland, in dem Andersens Werke besonders begeistert aufgenommen wurden, erschien seine erste Autobiografie 1847 mit dem Titel: "Das Märchen meines Lebens ohne Dichtung“, während das dänische Original „Mit egt Eventyr uden Digtning“ spät, im Jahr 1942 herausgegeben wurde.

Die Aussichten für den jungen Andersen am Anfang seines Lebens waren alles andere als rosig. Mit 14 Jahren verließ er sein ärmliches Elternhaus mit dem Ziel, in Kopenhagen sein Brot als Schauspieler und Sänger zu verdienen. Drei Jahre lang hatte er überhaupt keinen Erfolg am Königlichen Theater, bis zu dem Tag, als Direktor Collin zum guten Geist in Andersens Leben wurde. Er erreichte beim Dänenkönig Friedrich IV. ein Stipendium für den mittellosen Andersen, der die Lateinschule und später die Universität besuchen konnte. Andersen entwickelte seine schriftstellerische Begabung und gab 1835 seinen ersten Roman „Der Improvisator“ und seine erste Märchensammlung "Eventyr, fortalte for Børn" (Märchen erzählt für Kinder), heraus. Mit seinen Romanen, die heute vergessen sind, machte er sich auf Anhieb auch im Ausland einen Namen. Die Märchen waren Spätstarter, die erst in den 40er Jahren ein Publikum gewannen.

Viele seiner insgesamt 156 Märchen, wie „Die kleine Seejungfer“ oder "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ sollten Lesestoff für Generationen werden. Häufig kombiniert Andersen Motive der Zaubermärchen miteinander. Wunderbare Gegenstände wie beispielsweise ein fliegender Koffer oder ein Feuerzeug gelangen in den Besitz des Märchenhelden und verhelfen ihm zum Glück. Dämonische Zauberkräfte dagegen können wie in der Erzählung von den roten Schuhen das Unglück der Heldin bewirken. Die dämonische Prinzessin, die alle Freier in den sicheren Tod treibt, kann nur mit der magischen Unterstützung des Reisekamerads bezwungen werden, die hochmütige Prinzessin dagegen nur mit List und in der Verkleidung des Schweinehirten.

Ganz nach der Art des Schwank- oder Tiermärchens erfährt der Leser auch von den aufregenden Abenteuern von Stopf- und Nähnadeln, Springturnieren von Heuschreck und Co und von dem Gesellschaftsklatsch eines Hühnerhofs. Es sind Geschichten, in denen sich der ganze Witz Andersens zeigt. Seine Märchenwelt ist ebenso beseelt und von den unterschiedlichsten Gestalten bevölkert wie es für das Volksmärchen in den großen Sammlungen gilt.
Andersen hat aber auch ganz neue Figuren und Dramaturgien in seinen Kunstmärchen geschaffen wie in der Erzählung von der kleinen Seejungfer oder dem hässlichen jungen Entlein. Unverwechselbar sind die Themen: die Sucht nach Vornehmheit sowie die Künstlichkeit und Lebensfeindlichkeit der gesellschaftlichen Regeln, sie ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Märchen.

Nicht immer gehen seine Märchen gut aus. Und auch da findet sich die märchenhafte Parallele in Andersens Leben wieder. Unglücklich, gehetzt und immerzu auf der Suche nach Anerkennung und Berühmtheiten soll er ein ganz einsames und egomanisches Leben geführt haben. Von seiner Reiselust zeugen die zahlreichen Reiseberichte, die er auf seinen 29 Reisen durch Europa und bis nach Kleinasien verfasst hat, von seinem Unglück die Tagebücher, die er von 1825 bis zu seinem Tod 1875 geführt hat.

 

Autorin: Angelika Dissen

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